Also liebe Leute !                    >  der Pott singt, oder ?

                                                     Blog 2016

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Revier  WAZ / NRZ  v. 2. Dez. 2016

                               "Ein Jahrhundert Reviergeschichte in Liedern"
Die Sammlung des Duisburger Liedermacher Frank Baier geht
                                       ins Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg.
von Michael Zachcial

 Dr. Fischer Frank Baier 2

 foto :  Dr. Michael Fischer & Frank Baier - Volksliedarchiv Freiburg trifft  Baier-Archiv im Zechenhaus

 
 www.chanson.de                                 
                                                                50 Jahre Geschichte in Liedern                           

                                                       chanson Lieder-Szenen, Szene 0            21. November 2016       

Sammelaufruf des  Deutschen Volksliedarchivs

foto :  Dr. Michael Fischer und Frank Baier

Ein halbes Jahrhundert Geschichte des Ruhrpotts in Liedern hat der
Duisburger Liedermacher Frank Baier zusammen getragen. An diesem Wochenende war der Leiter des Deutschen Volksliedarchivs in Freiburg zu Besuch im Ruhrgebiet, um die Übernahme dieser einzigartigen Sammlung in die mehr als 100 Jahre alten Bestände des Archivs vorzubereiten.

Bis an die Decke vollgestopft mit Aktenordnern, VHS-Cassetten, CDs, LPs, MCs, Fotos, Plakaten, Flugblättern und Briefen ist das kleine Zechenhäuschen in der Homberger Rheinpreussen-Siedlung in dem Frank Baier seit den 1980er Jahren wohnt und arbeitet. Die außergewöhnliche Sammlung enthält zahlreiche „Kulturdokumente ersten Ranges“, so Michael Fischer, der Geschäftsführende Direktor des ZPKM (Zentrum für Populäre Kultur und Musik) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wie das 1914 gegründete Deutsche Volksliedarchiv mittlerweile heißt.

In Frank Baiers Archiv findet man Lieder der Bergleute, die nach Feierabend oder bei geselligen Anlässen gesungen wurden, ebenso wie Lieder von Stahlarbeiterstreiks. Zeitungsartikel, Fotos und Briefe erinnern an Auseinandersetzungen um den Erhalt ehemaliger Zechensiedlungen, an Konzerte in Gefängnissen mit Liedern, die durch den Austausch mit Jugendlichen in Fürsorgeeinrichtungen und Gefängnissen entstanden sind oder an gemeinsame Auftritte mit
Wolf Biermann, Hannes Wader und „Ton-Steine-Scherben“ mit ihrem
charismatischen Sänger Rio Reiser.

Lieder gegen Atomenergie

Ein besonderes Zeitdokument ist die 1978 erschienene LP „Bauer Maas – Lieder gegen Atomenergie“, aus deren Einnahmen der Landwirt Josef Maas einen großen Teil der Prozesskosten gegen den Bau des „Schnellen Brüters“ in Kalkar finanzieren konnte, zwei Jahre vor Gründung der späteren Umweltpartei „Die Grünen“. Zu den Künstlern, die kostenlos Titel für die LP zur Verfügung stellten, gehörten neben Frank Baier seinerzeit auch die österreichische Band „Die Schmetterlinge“ und Walter Mossmann.

1981 erschien ein ähnliches LP-Projekt: „Schöner Wohnen aber Fix“ enthielt neben Titeln von Frank Baier  auch  drei Lieder von „Geier Sturzflug“, die ein Jahr später mit „Wir steigern das Bruttosozialprodukt“ einen Nummer-Eins-Hit in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten und eine der erfolgreichsten Bands der „Neuen Deutschen Welle“ wurden. Auch aus den Verkaufserlösen dieses Albums wurden Anwaltskosten finanziert, diesesmal ging es um den Erhalt von billigem und sozialverträglichem Wohnraum.

 

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foto:      Treppenaufgang zum Archiv  Frank Baier                      

 

Der Kampf um bessere Lebensbedingungen in Duisburg und gegen Umweltverschmutzung führte zur Gründung der „Bürgerinitiave Bruckhausen“, wo Frank Baier damals wohnte. Auch türkische Einwanderer der ersten Generationen wollten damals nicht mehr „vorm Abendbrot den Sand mit Besen und Kehrblech vom Tisch fegen“, wie es im Bruckhausenwalzer heisst. Mitte der 1980er Jahre veröffentliche Frank Baier folgerichtig eine LP mit deutsch-türkischen Liedern, gemeinsam mit dem türkischen Sänger und Sazspieler Mesut Cobancaoglu.

Zu zahlreich sind die Liedgeschichten in Frank Baiers Archiv um sie alle in einem Zeitungsartikel aufzuzählen: Es sind Zeugnisse einer über Jahrzehnte dauernden engen Verknüpfung von Kultur und politischen Engagement, die von Laien und Profis, Arbeitern und Hausfrauen, Schülern und Lehrern geschaffen und gelebt wurde.

Weitere Sammlungen gesucht

Michael Fischer, der gerne ein freies Wochenende geopfert hat, um 500 Kilometer von Freiburg nach Duisburg zurückzulegen, ist sichtlich beeindruckt und glücklich, eine solche Sammlung nach Freiburg holen zu können, damit Studenten, Wissenschaftler und Musiker aus der ganzen Welt darin stöbern und hierzu forschen können. Gesucht werden dazu  weitere Sammlungen von Liedsängerinnen und -sängern, Volksmusikanten und der Folk-Szene in Ost- und Westdeutschland, vom politischen und sozialkritischen Lied bis zum Schlager.

Interessenten, die entsprechendes Material haben, wenden sich bitte direkt an das ZPKM in Freiburg.

Adresse:

Zentrum für Populäre Kultur und Musik Michael Fischer Rosastraße 17-19 79098 Freiburg im Breisgau Tel. 0761/7050315 michael.fischer@zpkm.uni-freiburg.de www.zpkm.uni-freiburg.de

 

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 foto :  Dokument :  Frank`s altes handgeschriebenes Fahrten-Liederbuch aus den 50er Jahren

 

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 Frank Baier:    die Vinyl
                                                  " Gesänge des Ruhrgebiets von 1870 - 1980 "  

                                               .......    Ruppig,  authentisch,  einzig- und unartig

 

LP cover front pappe jpeg LP- cover :


Duisburg. Revierbarde Frank Baier presst drei Jahre nach seinem Liederbuch die

 „Gesänge des Ruhrgebiets 1870-1980“  auf Vinyl -     
                                                                                                                     und geht jetzt damit auf Tournee.

Warum der Ruhrgebietsbarde eigentlich zu den vom Aussterben bedrohten Sänger-Arten gehört, ist auch so eine Frage, die viel sagt über die Zeiten, in denen wir leben.
Frank Baier jedenfalls ist eine dieser Raritäten und gibt auch mit 72 keine Ruhe.

Baier wohnt in einem verwunschenen Häuschen jener Rheinpreußen-Zechensiedlung im linksrheinischen Homberg, die er zusammen mit einer Bürgerinitiative vor dem Abriss bewahrt hat. Hier erzählt Frank Baier Anekdoten wie die von der Ukulele, die jetzt auf Madagaskar „Frankbaier“ heißt, weil er auf einem seiner zahllosen Festival-Gastspiele der führenden madegassischen Folk-Band das Ukulelespielen beibrachte.

Und hier tackert er auch die Hüllen für seine neue Langspielplatte zusammen. Tackert? „Ja, wie damals bei Ton Steine Scherben mit dem ,Warum geht es mir so dreckig’-Album, ich weiß noch, wie der Rio und die anderen da saßen!“ Und eine Langspielplatte? „Ja, Vinyl klingt besser als eine CD, passt auch besser zu meiner Musik!“, sagt Baier. Also gibt es eine A- und eine B-Seite und zwanzig „Gesänge des Ruhrgebiets 1870-1980“, so der Titel der Platte. Nicht auszuschließen, dass es auch mal eine CD-Fassung gibt, aber erst mal sind jetzt die ersten 500 Vinyl-Exemplare fertig. Sammlerstück-Kandidaten.

Frank Baier, der nicht nur Gitarre, Schifferklavier und Ukulele, sondern mit seinem unerschütterlichen Enthusiasmus nötigenfalls auch Nervensäge spielen kann, hat 2012 nach jahrelanger Sammelarbeit (mit Jochen „Liederjan“ Wiegandt) das ziegelsteindicke Liederbuch Ruhr „Glück auf!“ herausgebracht. Die Platte ist eine klingende Kurzfassung, „dat Liederbuch kann ja nich singen“, schmunzelt Baier.

Live-Aufnahme im Evinger Schloss

Sie beginnt, wie es sich bei einem Kumpel-Kind, das im Schatten der Zeche Rosenblumendelle und im Essener Stadtteil Frohnhausen aufwuchs, gehört, mit „Glückauf, der Ruhrkumpel spricht“ – Protestlied eines gefeuerten Bergmanns, der sich an den Zechenbesitzer wendet. Baier hat Ausgrabungen wie „Bergmanns Schunkelwalzer“ auf die Platte genommen, aber auch Texte von Arbeiterdichtern wie Heinrich Kämpchen oder Josef Büscher vertont. Zuweilen, besonders wenn er a cappella singt, ist zu spüren, wie viel Wert Baier darauf legt, dass es „echt“ klingt – schön ist nicht so wichtig. Die Platte umfasst auch Musik seiner Kollegin Fasia Jansen („Bergmann fahr ein“), die Protestliedzeilen aus dem Häuserkampf um die Zechensiedlung („Rheinpreußen ruft Alarm“) und schließlich den „März Rap 1920“, den Frank Baier im Zuge eines Plattenprojekts über die Märzrevolution im Revier mit den „Sons Of Gastarbeita“ und der Bremer Folk-Band „Grenzgänger“ eingespielt hat.

Weil Baiers Beobachtung zufolge „immer mehr Menschen das hören wollen“, was nur noch selten erklingt, hat er im vergangenen Jahr einen fast vierstündigen Liederabend in Dortmund gegeben, im „Evinger Schloss“, einem Überbleibsel der Zeche Minister Stein.
Baiers LP, die über www.frank-baier.de bestellt werden kann, bietet Ausschnitte der Live-Aufnahme dieses Abends –    
                                                         ....... ruppig,   authentisch,   einzig- und unartig.

 

 

 

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Last Exit Moers                                25. sept. 2016

Chor der Bergleute und Frank Baier

pattberg

Frank Baier und seine Ukulele,

das ist so eine lebende Legende des Ruhrgebiets. Noch heute wohnt er in der Homberger Rheinpreußen-Siedlung, die er einst mithalf, vorm Abriss zu retten. Sein „Zechenhäusken“ ist eine Schatzkammer der Ruhr-Kultur, bis unter’s Dach vollgepackt mit Erinnerungen. Wo man hin greift Pottgeschichten. Unvergessen, wie der Fanfarenzug Holderberg ihn von der Bühne blasen wollte, als er noch gar nicht fertig war mit seinem Konzert. Denen hat er’s aber gezeigt mit seiner Ukulele! Ganz nebenbei ist Frank Baier so etwas wie Moerser Urgestein und hat fast sein ganzes Berufsleben hier bei der Post am Königlichen Hof gearbeitet. Klar, dass er mit dem CHOR DER BERGLEUTE bei LAST EXIT MOERS den Schlusspunkt setzt, mit vielen Liedern aus seinem „Liederbuch Ruhr – Glückauf“. Da wird aus „Von den blauen Bergen kommen wir...“ — “Aus den Stahlwerken kommen wir...“ und geht’s weiter mit „und der Stahl geht in die Welt – unser Boss kassiert das Geld.“ Volle Kanne Geschichten und „Gesänge des Ruhrgebiets 1870 – 1980“. Die gibt’s natürlich nicht auf CD sondern auf Vinyl, mit sieb-bedrucktem Karton-Cover von Frank Baier höchstselbst am Küchentisch zusammen getackert.
aus: „Zeche Minister Stein“ : „1925 – ach das war ein Unglücksjahr -136 Knappen – waren’s am 11. Februar ... ... doch die Aktien steigen weiter – grad als müsste das so sein. Trotz der 136 Toten – auf der Zeche Minister Stein.“
Sonntag 25.09.2016 13:00 Uhr | 2 x 45 Min

 Das Denkmal Maschinenhalle Zeche Pattberg
Der linksrheinische Ruhrbergbau ist mit dem Namen Franz Haniel verbunden. 1857 wurde ihm das enorm große Grubenfeld „Rheinpreußen“ verliehen. Im selben Jahr begann man mit dem Abteufen eines Schachtes im heutigen Duisburg-Hamborn. Erst in den 1870er Jahren wurde die erste Kohle aus dem Grubenfeld zu Tage gefördert. Zahlreiche weitere Schächte entstanden in den darauffolgenden Jahrzehnten. 1922 begann man im heutigen Moers-Repelen mit dem Abteufen von zwei Schächten. Das selbständige Bergwerk wurde 1927 nach dem damaligen Generaldirektor Heinrich Pattberg benannt. Über Schacht 1 entstand 1932 ein Doppelstrebengerüst der Oberhausener Gutehoffnungshütte errichtet. 1934 war der Aufbau der übertägigen Anlagen – vorwiegend in Stahlfachwerkarchitektur – im Wesentlichen abgeschlossen. Die Pattbergschächte wurden 1993 stillgelegt. Bis auf die Maschinenhalle von Schacht 1 wurden alle übertägigen Anlagen der sogenannten Pattbergschächte abgerissen, einschließlich des Fördergerüsts über Schacht 1. Die denkmalgeschützte Maschinenhalle, ein schlichter Backsteinbau von 1932, birgt eine eindrucksvolle Ausstattung: eine Elektrofördermaschine sowie zwei Umformer aus dem Jahr 1912, die ursprünglich am Schacht Rheinpreußen 2 in Duisburg-Homberg installiert waren.al Maschinenhalle Zeche Pattberg