Liedermacher in Deutschland

        Frank Baier
   "Er gehört zu den profiliertesten deutschen   
       Liedermachern
der zweiten Generation"    
                                                                                                               (
Westfälische Rundschau )

Liedermacher in Deutschland -

Various - Liedermacher in Deutschland: Vol.2,
            Für wen wir singen (3-CD)

Heißer Herbst – Protest und linke Lieder



Frank Baier

"Er gehört zu den profiliertesten deutschen Liedermachern der zweiten Generation." ('Westfälische Rundschau')

Der 1943 geborene Liedermacher und -sammler Frank Baier wird gern als 'Ruhrgebietsbarde' bezeichnet, beschäftigt er sich doch seit nunmehr über 30 Jahren mit historischen und zeitgenössischen Liedern aus dem Ruhrgebiet. Fast immer sind es literarische wie politische Texte, oft genug mit hochaktueller Brisanz. Seine erste Begegnung mit der Musik machte Frank Baier, als er mit der Christlichen Pfadfinderschaft Anfang der 60er Jahre die Burg Waldeck besuchte. Seine erste musikalische Liebe gehörte dem Skiffle. Seine erste Gruppe – mit Rolf Hucklenbruch und Harald Goldbach – hieß Kattong "…mit kritischen Texten und in gefälligem Sound. Das klingt wie eine Mischung von John Lennon und den City Preachers, das ganze in Deutsch, versteht sich." ('Sing In', 5/1972). 1973 folgte das Duo Baier & Westrupp, teils parallel war Baier mit der Gruppe Walter h.c. Meier Pumpe zu hören. Seit 1976 tritt er
solo auf, sieht man von einzelnen Gemeinschaftsprojekten wie mit der Gruppe Grenzgänger ab, mit der er 2005 das preisgekrönte Album 'März 1920' veröffentlichte. Darauf erinnern die Musiker an den blutig niedergeschlagenen deutschen Arbeiteraufstand gegen den rechtsreaktionären Kapp-Putsch.

  • Daß sich das Ruhrgebiet als Thema wie ein roter Faden durch die Texte von Frank Baier.
    Baier (Opa bei Krupp – Vater bei Krupp) * zieht, erklärt sich aus seinem Lebensweg: "Ich bin mit sechs Jahren ins Ruhrgebiet gekommen, aufgewachsen in Essen-Frohnhausen, habe fast nur mit Bergarbeiterkindern gespielt – die Bezüge sind also durch meine Jugend vorgegeben", erklärte der Musiker 1979 im Gespräch mit dem 'Folk-Magazin'. Bevor Baier die Musik zum Hauptberuf machte war er lange Zeit als Ingenieur tätig. Dabei stellte er fest, "was das ausmacht, wenn einer an der Werkbank steht, wie das Rückwirkungen auf sein Familienleben hat. […] Und so ne Erfahrung wirkt sich ja auch auf meine Texte aus, da ist kein intellektuelles Geschwafel mehr drin, das mußte konkret sein."

    * Nebenbei – Frank macht die Lehre in der Krupp-Gießerei als Werkstoffprüfer und als „Nachschlach“ noch das Praktikum für sein Ing-Studium.

Im sechswöchigen Stahlstreik von 1978/79 war Frank Baier an vorderster Front dabei, als Musiker nicht nur aus der Region, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus dem Ausland – aus Österreich reisten die Schmetterlinge an – Solidarität mit den Metallern übten. Beim letzten großen, unbegrenzten Hungerstreik der Bewohner der Rheinpreußensiedlung vor dem Rathaus in Duisburg, bei dem es um den langfristigen Erhalt der Häuser und die Beendigung der laufenden Privatisierung ging, fand am 12. Februar 1979 auf den Rathaustreppen ein mittleres Kulturspektakel statt. Frank Baier hatte Geburtstag und lud Sänger- und Musikerfreunde, seine Bekannten sowie Stahl- und Streikkollegen mit einem Flugblatt zur Solidarität mit den Hungerstreikenden auf. "Sie kamen von überall her, über 300 Menschen mit Klappstühlen, Teetassen und vor allem ihren Musikinstrumenten – Fasia und Kuro, Ernst Born aus Basel, Jazz-Musiker und die 'Teewurzellöwen' und viele mehr – und die Kokstonne glühte! Na ja, die Stahlstreiker hatten eine Kokstonne vom Werktor mitgebracht und schütteten schon am Mittag eine LKW-Ladung Koks mitten vor den Rathauseingang. Richard Limpert, der Arbeiterdichter aus Gelsenkirchen, brachte als Geschenk einen brandneuen Text mit. 'Hab ich gestern geschrieben. Jetzt seid mal ruhig da hinten, ich lese den jetzt mal vor!' Plötzlich fängt Fasia an zu summen. Fasia summt immer. 'Ey, merkße wat, Frank?' 'Nö!' 'Merkße nich, der Text paßt? Der paßt auf 'Ein Bomben ist gefallen'.' ' Jau, stimmt!' 'Komm, wir singen ma!' Das Lied war geboren. Noch am selben Abend wurde auf die Melodie des Ostermarschliedes von Hannes Stütz das neue Lied 'Rheinpreußen ruft Alarm' auf den Duisburger Rathaustreppen für die Hungerstreikenden mit allen gesungen." Der Hungerstreik wurde nach 18 Tagen und Nächten beendet. Die Siedlung war gerettet, der Abriß und die Privatisierung wurden gestoppt.

Kleiner Nachtrag: Das Lied gibt es auch in Malagasy, der madagassischen Sprache. Die Gruppe Rossy singt es mit einem Text über ein madagassisches Reisbauernkollektiv unweit von Madagaskars Hauptstadt Antananarivo. Mit Baier zusammen singen sie sogar zweisprachig, und seit seiner Tournee in Madagaskar (1983) heißt die Ukulele dort auf der Insel 'Frank Baier'.

Nicht nur im Stahlstreik waren Frank Baiers Lieder zu hören. Auch Kalkar, Friedensbewegung, Berufsverbote und Zensur waren Themen, zu denen er etwas zu sagen hatte. Wie beispielsweise im hier vertretenen Radiothek-Lied. Die Rundfunksendung 'Radiothek' gab es seit 1974: "Mit der konfliktorientierten, kritischen Jugendsendung 'Radiothek' schafft sich der WDR bleibende Erinnerungen bei der damaligen Jugendgeneration." ('50 Jahre WDR', WDR-Website). Die letzte Sendung lief im Dezember 1980. Über ihr unrühmliches Ende findet sich auf der WDR-Homepage keine Eintragung.

"Die 'Radiothek' im WDR Köln, das war unsere Sendung. Unsere? Ja, unsere, denn wir waren mitbeteiligt, wir konnten Einfluß nehmen auf die Themen der Sendungen, hier war ein 'freies Wort' möglich, also live gesendet, das ging direkt raus. Also, will sagen: Wir konnten reden, nicht nur zuhören. Wir kannten mittlerweile die Moderatoren und die Redakteure. Die kamen mit in die Jugendzentren, die Strafanstalten, redeten mit den Fürsorgezöglingen und Trebegängern, den Knackis und Arbeitslosen. In der 'Radiothek' wurden unsere Lieder gesendet oder bei Live-Veranstaltungen mitgeschnitten, z. B. in der Pappschachtel (Gelsenkirchen) oder dem Eschhaus (Duisburg). Wenn die geschlossen oder abgerissen werden sollten, dann war 'Tacheles' angesagt auf dem Sender, da kamen die Probleme direkt vom Mikrophon auf der Straße in den Äther. Plötzlich, ich fahre mit dem Auto abends von der Arbeit nach Hause und stehe gerade eingerammelt im Stau und höre 'Radiothek', und da sagen die an, daß der Wortbeitrag demnächst wegfällt, weil da eine 'Hörfunkstrukturreform' geplant ist. Gegenüber auf der anderen Straßenseite steckt'n Typ mit 'nem VW-Bulli auch fest und hat das Fenster runter, und wir hören denselben Sender. Der sagt: 'Ker, ey, hasse dat gehört? Die spinnen wohl. Oder? Die machen wa abber getz richtig Ärger, die Intendanten da. Die machen wa Feuer unterm Arsch, einfach unsere Sendung kaputt …, oder?' Ja, und schon war das Lied fertig. Der Typ im Auto war die Quelle. So einfach ist das. Die besten Lieder werden auf der Straße geboren, sag ich doch. Das Lied hab ich kurz danach auf dem ersten Protest in Köln vom LKW-Anhänger runter auf dem Opernplatz gesungen, und da war es raus aus dem Rohr."

Das Radiothek-Lied wurde aus der letzten Livesendung am 30.12.1980 in der Stadthalle Köln-Mülheim als unerwünscht gestrichen. Frank Baier durfte sein Lied nicht singen. "Ja, und dann habe ich es eben nicht gesungen, sondern die Gitarre wieder weggelegt und den Text erzählt und natürlich, warum ich das Lied jetzt hier in der Sendung beim 'Live-Mitschnitt' nicht singen darf. Die unten in der Halle fanden das natürlich bärenstark und haben gejohlt. Nur die WDR-Leute nicht. Vorher war ich ja schon in einem Film zensiert worden, da hatten sie Strophen von 'Auf der Schwarzen Liste' rausgeschnitten. Und jetzt stand ich auf dem Index und wurde fast zehn Jahre im WDR nicht mehr gesendet. So was macht man ja auch nicht … Ach ja, und der Uli Lux, der verantwortliche Redakteur, wurde vom WDR erstmal fristlos gefeuert, wegen dieser Sache und wegen Walter Moßmann und den 3 Tornados. Und die anderen sind mittlerweile Programmdirektoren oder so geworden, weil die sich geduckt haben, als die Brocken flogen."

www.frank-baier.de

  • Auszug aus
    Various - Liedermacher in Deutschland

3-CD im luxuriösen 8-seitigen Digipac mit 172-seitigem Booklet, Spieldauer 4h.

Für wen wir singen, Vol. 2


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                      ".... für wen wir singen ! "
           
   aus:    Liedermacher in Deutschland   -   VOL 2

Heißer Herbst - Protest und linke Lieder

  Foto 1149Foto 1150 

Auszüge aus dem booklet des Albums : VOL 2  / Vol 3 , Bear Family Records
Frank Baier mit  :

19 Radiothek-Lied    BAIER, FRANK
20 Rheinpreußen ruft Alarm    BAIER, FRANK
linke Lieder CD 4
 
11     Dat muss doch auch wat Späßken bringen  
    BAIER & WESTRUPP

Foto 1151               

Foto 1152

 Baier 3

 Baier 4

 

Baier fotoBaier 6

 

 Baier Westrupp
Heimat - Dialekte & Regionen

11      Dat muss doch auch wat Späßken bringen      BAIER & WESTRUPP

 B W VOL 3 CD 7

BW 1

BW 2

Konzert "Walter h c Meier Pumpe" im Saalbau, Essen  - mit Lead-Ukulele  - vorne :  Jörg Baier on stage - ( 1976 ?)

BW 3

 cover VOL 1

 HerimatDialekt1

HerimatDialekt2

HerimatDialekt3

 

Für wen wir singen, Vol. 2

Liedermacher in Deutschland

In der ersten Ausgabe der Sammlung 'Für wen wir singen' lag der Schwerpunkt auf den Anfängen der deutschen Liedermacherszene im Umfeld und in der Folge der Festivals auf der Burg Waldeck sowie auf der sich damals ebenfalls entwickelnden deutschsprachigen Folkszene. Die hier vorliegenden CDs vermitteln einen Eindruck von den 'bewegten' Zeiten, in denen Liedermacher politische und gesellschaftliche Konflikte in ihren Texten artikulierten und teilweise auch zum Sprachrohr der neuen Bewegungen wurden. Die CD 'Neue Töne in der DDR' dokumentiert, welche Rolle Lied und Chanson ab den 60er Jahren in der DDR spielten.

Ausführliche Informationen zur Geschichte des Begriffs 'Liedermacher' sowie eine Literaturliste zum Thema finden sich im Beiheft von 'Für wen wir singen, Vol. 1'.

Ich danke erneut allen Musikerinnen und Musikern, die auch für die zweite Ausgabe dieser umfangreichen Sammlung mit ihren ganz persönlichen Erinnerungen und Informationen dazu beigetragen haben, ihre Lieder im historischen Zusammenhang lebendig werden zu lassen (alle im Booklet verwendeten Zitate beziehen sich darauf). Mein besonderer Dank gilt dieses Mal Lutz Kirchenwitz, der für die Zusammenstellung und den Text der CD 'Neue Töne aus der DDR' sorgte. Michael Kleff

Der Journalist Michael Kleff lebt und arbeitet in Bonn und New York. Mit dem Thema 'Lied' ist er in mehrfacher Hinsicht seit vielen Jahren befaßt – als Moderator des 'Lieder-Ladens' im Deutschlandfunk, als Vorsitzender des Vereins deutschsprachige Musik, der die Liederbestenliste verantwortet, und auch als Chef vom Dienst des Musikmagazins 'Folker!'.

Der Kulturwissenschaftler Lutz Kirchenwitz war in der DDR-Liedszene aktiv. Er lebt in Berlin, ist Vorsitzender des Vereins Lied und soziale Bewegungen und Leiter des Festivals Musik und Politik.

Die Liederbestenliste – "Eine monatliche Hitparade der besonderen Art" ('melodie & rhythmus'). www.liederbestenliste.de

Eine Stimme für das Lied – 'Folker!' Das Magazin für Folk, Lied und Weltmusik www.folker.de

Heißer Herbst – Protest und linke Lieder

November 1966. Die SPD erklärte sich zur Koalition mit den Unionsparteien bereit. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik kam es in Bonn zu einer Großen Koalition. Das neue Kabinett sah angesichts der wirtschaftlichen Rezession jener Jahre in einer "expansiven und stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik das Gebot der Stunde" (Kurt Georg Kiesinger in seiner Regierungserklärung vom 13.12.1966). Unter dem Namen 'Konzertierte Aktion' setzten sich Vertreter der Arbeitgeber, der Gewerkschaften und der Bundesregierung an einen Tisch, um gemeinsam Strategien zur Verbesserung der Wirtschaft zu diskutieren. Während trotz wirtschaftlicher Probleme die Kriegs- und Trümmergeneration mehr und mehr zufrieden auf ihre materiellen Leistungen zurückblickte und die Früchte des Wiederaufbaus genoß, war eine neue Generation aufgewachsen. Sie hatte in der Schule gelernt, "die gesellschaftlichen Ursachen für Not und Elend, Armut und Hunger zu erkennen". Den Menschen wurden die Frauen und Männer des Widerstands im Dritten Reich als leuchtende Beispiele für Zivilcourage vor Augen geführt, und sie erfuhren im Staatsbürgerkundeunterricht, daß "politische Selbstbestimmung nicht in Gesellschaften verwirklicht werden kann, in denen entscheidende soziale und ökonomische Bereiche demokratischer Gestaltung entzogen werden."

Die Realität stand Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre jedoch in einem krassen Gegensatz zu diesem Idealbild einer freiheitlichen und menschenwürdigen Welt. Die 'Schutzmacht USA' führte in Vietnam einen nie erklärten Krieg. Im NATO-Mitgliedsstaat Griechenland setzte eine Gruppe von Obristen die Verfassung außer Kraft und errichtete eine Militärdiktatur. Die ausgewiesenen Rüstungsausgaben der Welt erreichten 1967 den schwindelerregenden Betrag von 165 Milliarden US-Dollar. Dieser Welt verweigerte eine zunehmende Zahl vor allem jugendlicher Menschen die Zustimmung. So entstanden die Studentenbewegung und die außerparlamentarische Opposition. Die Ermordung von Benno Ohnesorg bei der Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien in Berlin im Juni 1967 und die Verabschiedung der Notstandsgesetze im Mai des darauffolgenden Jahres vergrößerten die Kluft zwischen dem gesellschaftlichen Establishment und den Gegnern der Großen Koalition. Als im September 1969 FDP und SPD die Regierungsverantwortung übernahmen, versprach Bundeskanzler Willy Brandt, mehr Demokratie zu wagen. Dies gab so manchem die Hoffnung auf Reformbereitschaft und Reformfähigkeit zurück. Doch der Hoffnungsschimmer verging schnell. Berufsverbote, Arbeitslosigkeit, Vietnamkrieg, Atomrüstung und Atomkraftwerke wurden zu den bestimmenden Themen der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Damals formierten sich neue große Bewegungen wie die Friedensbewegung und die Anti-Atom-Bewegung sowie unzählige Bürgerinitiativen auf regionaler Ebene.

Liedermacher in Deutschland - CD-Album Serie von Bear Family Records
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das Buch 1 - Trikont  2019 - 
1)
Leben - kämpfen - solidarisieren - Ruhrgebiet
       der Text aus dem Agenda : "Folk & Liedermacher" (2002)  . ( S. 128 - 193 )

Beitrag von Frank Baier : 
Ruhrgebiet –  Leben, Kämpfen, Solidarisieren mit autobiographischen Details

Frank Baier, der lange Jahre selbst als Liedermacher und -sänger aktiv ist, ist in der Lage, seinen Beitrag Ruhrgebiet - Leben, Kämpfen, Solidarisieren mit autobiographischen Details anzureichern. Eine Aufzählung der wichtigsten Liedermacher und Gruppen sowie eine ausführliche, nach Sachgebieten geordnete Bibliographie und Diskographie Ruhrgebiet runden diesen fundierten Beitrag ab.

2.) "Kohlengräberland – Zeitmaschine"  - 

     3.) "Geranien im Vogelkäfig" ein Geschichte aus der Rheinpreußen-Siedlung

 4)  Kleiner Mann - was tun  - "Lieder & Leute vor Ort

 

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Revier  WAZ / NRZ  v. 2. Dez. 2016

                               "Ein Jahrhundert Reviergeschichte in Liedern"
Die Sammlung des Duisburger Liedermacher Frank Baier geht
                                       ins Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg.
von Michael Zachcial

 Dr. Fischer Frank Baier 2

 foto :  Dr. Michael Fischer & Frank Baier - Volksliedarchiv Freiburg trifft  Baier-Archiv im Zechenhaus

 
 www.chanson.de                                 
                                                                50 Jahre Geschichte in Liedern                           

                                                       chanson Lieder-Szenen, Szene 0            21. November 2016       

Sammelaufruf des  Deutschen Volksliedarchivs

foto :  Dr. Michael Fischer und Frank Baier

Ein halbes Jahrhundert Geschichte des Ruhrpotts in Liedern hat der
Duisburger Liedermacher Frank Baier zusammen getragen. An diesem Wochenende war der Leiter des Deutschen Volksliedarchivs in Freiburg zu Besuch im Ruhrgebiet, um die Übernahme dieser einzigartigen Sammlung in die mehr als 100 Jahre alten Bestände des Archivs vorzubereiten.

Bis an die Decke vollgestopft mit Aktenordnern, VHS-Cassetten, CDs, LPs, MCs, Fotos, Plakaten, Flugblättern und Briefen ist das kleine Zechenhäuschen in der Homberger Rheinpreussen-Siedlung in dem Frank Baier seit den 1980er Jahren wohnt und arbeitet. Die außergewöhnliche Sammlung enthält zahlreiche „Kulturdokumente ersten Ranges“, so Michael Fischer, der Geschäftsführende Direktor des ZPKM (Zentrum für Populäre Kultur und Musik) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wie das 1914 gegründete Deutsche Volksliedarchiv mittlerweile heißt.

In Frank Baiers Archiv findet man Lieder der Bergleute, die nach Feierabend oder bei geselligen Anlässen gesungen wurden, ebenso wie Lieder von Stahlarbeiterstreiks. Zeitungsartikel, Fotos und Briefe erinnern an Auseinandersetzungen um den Erhalt ehemaliger Zechensiedlungen, an Konzerte in Gefängnissen mit Liedern, die durch den Austausch mit Jugendlichen in Fürsorgeeinrichtungen und Gefängnissen entstanden sind oder an gemeinsame Auftritte mit
Wolf Biermann, Hannes Wader und „Ton-Steine-Scherben“ mit ihrem
charismatischen Sänger Rio Reiser.

Lieder gegen Atomenergie

Ein besonderes Zeitdokument ist die 1978 erschienene LP „Bauer Maas – Lieder gegen Atomenergie“, aus deren Einnahmen der Landwirt Josef Maas einen großen Teil der Prozesskosten gegen den Bau des „Schnellen Brüters“ in Kalkar finanzieren konnte, zwei Jahre vor Gründung der späteren Umweltpartei „Die Grünen“. Zu den Künstlern, die kostenlos Titel für die LP zur Verfügung stellten, gehörten neben Frank Baier seinerzeit auch die österreichische Band „Die Schmetterlinge“ und Walter Mossmann.

1981 erschien ein ähnliches LP-Projekt: „Schöner Wohnen aber Fix“ enthielt neben Titeln von Frank Baier  auch  drei Lieder von „Geier Sturzflug“, die ein Jahr später mit „Wir steigern das Bruttosozialprodukt“ einen Nummer-Eins-Hit in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten und eine der erfolgreichsten Bands der „Neuen Deutschen Welle“ wurden. Auch aus den Verkaufserlösen dieses Albums wurden Anwaltskosten finanziert, diesesmal ging es um den Erhalt von billigem und sozialverträglichem Wohnraum.

 

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foto:      Treppenaufgang zum Archiv  Frank Baier                      

 

Der Kampf um bessere Lebensbedingungen in Duisburg und gegen Umweltverschmutzung führte zur Gründung der „Bürgerinitiave Bruckhausen“, wo Frank Baier damals wohnte. Auch türkische Einwanderer der ersten Generationen wollten damals nicht mehr „vorm Abendbrot den Sand mit Besen und Kehrblech vom Tisch fegen“, wie es im Bruckhausenwalzer heisst. Mitte der 1980er Jahre veröffentliche Frank Baier folgerichtig eine LP mit deutsch-türkischen Liedern, gemeinsam mit dem türkischen Sänger und Sazspieler Mesut Cobancaoglu.

Zu zahlreich sind die Liedgeschichten in Frank Baiers Archiv um sie alle in einem Zeitungsartikel aufzuzählen: Es sind Zeugnisse einer über Jahrzehnte dauernden engen Verknüpfung von Kultur und politischen Engagement, die von Laien und Profis, Arbeitern und Hausfrauen, Schülern und Lehrern geschaffen und gelebt wurde.

Weitere Sammlungen gesucht

Michael Fischer, der gerne ein freies Wochenende geopfert hat, um 500 Kilometer von Freiburg nach Duisburg zurückzulegen, ist sichtlich beeindruckt und glücklich, eine solche Sammlung nach Freiburg holen zu können, damit Studenten, Wissenschaftler und Musiker aus der ganzen Welt darin stöbern und hierzu forschen können. Gesucht werden dazu  weitere Sammlungen von Liedsängerinnen und -sängern, Volksmusikanten und der Folk-Szene in Ost- und Westdeutschland, vom politischen und sozialkritischen Lied bis zum Schlager.

Interessenten, die entsprechendes Material haben, wenden sich bitte direkt an das ZPKM in Freiburg.

Adresse:

Zentrum für Populäre Kultur und Musik Michael Fischer Rosastraße 17-19 79098 Freiburg im Breisgau Tel. 0761/7050315 michael.fischer@zpkm.uni-freiburg.de www.zpkm.uni-freiburg.de

 

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 foto :  Dokument :  Frank`s altes handgeschriebenes Fahrten-Liederbuch aus den 50er Jahren

 

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 Frank Baier:    die Vinyl
                                                  " Gesänge des Ruhrgebiets von 1870 - 1980 "  

                                               .......    Ruppig,  authentisch,  einzig- und unartig

 

LP cover front pappe jpeg LP- cover :


Duisburg. Revierbarde Frank Baier presst drei Jahre nach seinem Liederbuch die

 „Gesänge des Ruhrgebiets 1870-1980“  auf Vinyl -     
                                                                                                                     und geht jetzt damit auf Tournee.

Warum der Ruhrgebietsbarde eigentlich zu den vom Aussterben bedrohten Sänger-Arten gehört, ist auch so eine Frage, die viel sagt über die Zeiten, in denen wir leben.
Frank Baier jedenfalls ist eine dieser Raritäten und gibt auch mit 72 keine Ruhe.

Baier wohnt in einem verwunschenen Häuschen jener Rheinpreußen-Zechensiedlung im linksrheinischen Homberg, die er zusammen mit einer Bürgerinitiative vor dem Abriss bewahrt hat. Hier erzählt Frank Baier Anekdoten wie die von der Ukulele, die jetzt auf Madagaskar „Frankbaier“ heißt, weil er auf einem seiner zahllosen Festival-Gastspiele der führenden madegassischen Folk-Band das Ukulelespielen beibrachte.

Und hier tackert er auch die Hüllen für seine neue Langspielplatte zusammen. Tackert? „Ja, wie damals bei Ton Steine Scherben mit dem ,Warum geht es mir so dreckig’-Album, ich weiß noch, wie der Rio und die anderen da saßen!“ Und eine Langspielplatte? „Ja, Vinyl klingt besser als eine CD, passt auch besser zu meiner Musik!“, sagt Baier. Also gibt es eine A- und eine B-Seite und zwanzig „Gesänge des Ruhrgebiets 1870-1980“, so der Titel der Platte. Nicht auszuschließen, dass es auch mal eine CD-Fassung gibt, aber erst mal sind jetzt die ersten 500 Vinyl-Exemplare fertig. Sammlerstück-Kandidaten.

Frank Baier, der nicht nur Gitarre, Schifferklavier und Ukulele, sondern mit seinem unerschütterlichen Enthusiasmus nötigenfalls auch Nervensäge spielen kann, hat 2012 nach jahrelanger Sammelarbeit (mit Jochen „Liederjan“ Wiegandt) das ziegelsteindicke Liederbuch Ruhr „Glück auf!“ herausgebracht. Die Platte ist eine klingende Kurzfassung, „dat Liederbuch kann ja nich singen“, schmunzelt Baier.

Live-Aufnahme im Evinger Schloss

Sie beginnt, wie es sich bei einem Kumpel-Kind, das im Schatten der Zeche Rosenblumendelle und im Essener Stadtteil Frohnhausen aufwuchs, gehört, mit „Glückauf, der Ruhrkumpel spricht“ – Protestlied eines gefeuerten Bergmanns, der sich an den Zechenbesitzer wendet. Baier hat Ausgrabungen wie „Bergmanns Schunkelwalzer“ auf die Platte genommen, aber auch Texte von Arbeiterdichtern wie Heinrich Kämpchen oder Josef Büscher vertont. Zuweilen, besonders wenn er a cappella singt, ist zu spüren, wie viel Wert Baier darauf legt, dass es „echt“ klingt – schön ist nicht so wichtig. Die Platte umfasst auch Musik seiner Kollegin Fasia Jansen („Bergmann fahr ein“), die Protestliedzeilen aus dem Häuserkampf um die Zechensiedlung („Rheinpreußen ruft Alarm“) und schließlich den „März Rap 1920“, den Frank Baier im Zuge eines Plattenprojekts über die Märzrevolution im Revier mit den „Sons Of Gastarbeita“ und der Bremer Folk-Band „Grenzgänger“ eingespielt hat.

Weil Baiers Beobachtung zufolge „immer mehr Menschen das hören wollen“, was nur noch selten erklingt, hat er im vergangenen Jahr einen fast vierstündigen Liederabend in Dortmund gegeben, im „Evinger Schloss“, einem Überbleibsel der Zeche Minister Stein.
Baiers LP, die über www.frank-baier.de bestellt werden kann, bietet Ausschnitte der Live-Aufnahme dieses Abends –    
                                                         ....... ruppig,   authentisch,   einzig- und unartig.

 

 

 

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Last Exit Moers                                25. sept. 2016

Chor der Bergleute und Frank Baier

pattberg

Frank Baier und seine Ukulele,

das ist so eine lebende Legende des Ruhrgebiets. Noch heute wohnt er in der Homberger Rheinpreußen-Siedlung, die er einst mithalf, vorm Abriss zu retten. Sein „Zechenhäusken“ ist eine Schatzkammer der Ruhr-Kultur, bis unter’s Dach vollgepackt mit Erinnerungen. Wo man hin greift Pottgeschichten. Unvergessen, wie der Fanfarenzug Holderberg ihn von der Bühne blasen wollte, als er noch gar nicht fertig war mit seinem Konzert. Denen hat er’s aber gezeigt mit seiner Ukulele! Ganz nebenbei ist Frank Baier so etwas wie Moerser Urgestein und hat fast sein ganzes Berufsleben hier bei der Post am Königlichen Hof gearbeitet. Klar, dass er mit dem CHOR DER BERGLEUTE bei LAST EXIT MOERS den Schlusspunkt setzt, mit vielen Liedern aus seinem „Liederbuch Ruhr – Glückauf“. Da wird aus „Von den blauen Bergen kommen wir...“ — “Aus den Stahlwerken kommen wir...“ und geht’s weiter mit „und der Stahl geht in die Welt – unser Boss kassiert das Geld.“ Volle Kanne Geschichten und „Gesänge des Ruhrgebiets 1870 – 1980“. Die gibt’s natürlich nicht auf CD sondern auf Vinyl, mit sieb-bedrucktem Karton-Cover von Frank Baier höchstselbst am Küchentisch zusammen getackert.
aus: „Zeche Minister Stein“ : „1925 – ach das war ein Unglücksjahr -136 Knappen – waren’s am 11. Februar ... ... doch die Aktien steigen weiter – grad als müsste das so sein. Trotz der 136 Toten – auf der Zeche Minister Stein.“
Sonntag 25.09.2016 13:00 Uhr | 2 x 45 Min

 Das Denkmal Maschinenhalle Zeche Pattberg
Der linksrheinische Ruhrbergbau ist mit dem Namen Franz Haniel verbunden. 1857 wurde ihm das enorm große Grubenfeld „Rheinpreußen“ verliehen. Im selben Jahr begann man mit dem Abteufen eines Schachtes im heutigen Duisburg-Hamborn. Erst in den 1870er Jahren wurde die erste Kohle aus dem Grubenfeld zu Tage gefördert. Zahlreiche weitere Schächte entstanden in den darauffolgenden Jahrzehnten. 1922 begann man im heutigen Moers-Repelen mit dem Abteufen von zwei Schächten. Das selbständige Bergwerk wurde 1927 nach dem damaligen Generaldirektor Heinrich Pattberg benannt. Über Schacht 1 entstand 1932 ein Doppelstrebengerüst der Oberhausener Gutehoffnungshütte errichtet. 1934 war der Aufbau der übertägigen Anlagen – vorwiegend in Stahlfachwerkarchitektur – im Wesentlichen abgeschlossen. Die Pattbergschächte wurden 1993 stillgelegt. Bis auf die Maschinenhalle von Schacht 1 wurden alle übertägigen Anlagen der sogenannten Pattbergschächte abgerissen, einschließlich des Fördergerüsts über Schacht 1. Die denkmalgeschützte Maschinenhalle, ein schlichter Backsteinbau von 1932, birgt eine eindrucksvolle Ausstattung: eine Elektrofördermaschine sowie zwei Umformer aus dem Jahr 1912, die ursprünglich am Schacht Rheinpreußen 2 in Duisburg-Homberg installiert waren.al Maschinenhalle Zeche Pattberg