der Pott singt - cover
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Liedermacher in Deutschland 
  
                                                                         - CD-Album Serie von Bear Family Records
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 Frank Baier

19 Radiothek-Lied BAIER, FRANK    
20 Rheinpreußen ruft Alarm BAIER, FRANK    
 
 
19    Radiothek-           Lied BAIER,   FRANK        
           

Wer war/ist Frank Baier ? - CDs, Vinyl LPs, DVD und mehr

11     Dat muss doch auch wat Späßken bringen  
    BAIER & WESTRUPP

 

21   Opa Weber               BAIER & WESTRUPP
     

Frank Baier

"Er gehört zu den profiliertesten deutschen Liedermachern der zweiten Generation." ('Westfälische Rundschau')

Der 1943 geborene Liedermacher und -sammler Frank Baier wird gern als 'Ruhrgebietsbarde' bezeichnet, beschäftigt er sich doch seit nunmehr über 30 Jahren mit historischen und zeitgenössischen Liedern aus dem Ruhrgebiet. Fast immer sind es literarische wie politische Texte, oft genug mit hochaktueller Brisanz. Seine erste Begegnung mit der Musik machte Frank Baier, als er mit der Christlichen Pfadfinderschaft Anfang der 60er Jahre die Burg Waldeck besuchte. Seine erste musikalische Liebe gehörte dem Skiffle. Seine erste Gruppe – mit Rolf Hucklenbruch und Harald Goldbach – hieß Kattong "…mit kritischen Texten und in gefälligem Sound. Das klingt wie eine Mischung von John Lennon und den City Preachers, das ganze in Deutsch, versteht sich." ('Sing In', 5/1972). 1973 folgte das Duo Baier & Westrupp, teils parallel war Baier mit der Gruppe Walter h.c. Meier Pumpe zu hören. Seit 1976 tritt er
solo auf, sieht man von einzelnen Gemeinschaftsprojekten wie mit der Gruppe Grenzgänger ab, mit der er 2005 das preisgekrönte Album 'März 1920' veröffentlichte. Darauf erinnern die Musiker an den blutig niedergeschlagenen deutschen Arbeiteraufstand gegen den rechtsreaktionären Kapp-Putsch.

  • Daß sich das Ruhrgebiet als Thema wie ein roter Faden durch die Texte von Frank Baier.
    Baier (Opa bei Krupp – Vater bei Krupp) * zieht, erklärt sich aus seinem Lebensweg: "Ich bin mit sechs Jahren ins Ruhrgebiet gekommen, aufgewachsen in Essen-Frohnhausen, habe fast nur mit Bergarbeiterkindern gespielt – die Bezüge sind also durch meine Jugend vorgegeben", erklärte der Musiker 1979 im Gespräch mit dem 'Folk-Magazin'. Bevor Baier die Musik zum Hauptberuf machte war er lange Zeit als Ingenieur tätig. Dabei stellte er fest, "was das ausmacht, wenn einer an der Werkbank steht, wie das Rückwirkungen auf sein Familienleben hat. […] Und so ne Erfahrung wirkt sich ja auch auf meine Texte aus, da ist kein intellektuelles Geschwafel mehr drin, das mußte konkret sein."

    * Nebenbei – Frank macht die Lehre in der Krupp-Gießerei als Werkstoffprüfer und als „Nachschlach“ noch das Praktikum für sein Ing-Studium.

 

Im sechswöchigen Stahlstreik von 1978/79 war Frank Baier an vorderster Front dabei, als Musiker nicht nur aus der Region, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus dem Ausland – aus Österreich reisten die Schmetterlinge an – Solidarität mit den Metallern übten. Beim letzten großen, unbegrenzten Hungerstreik der Bewohner der Rheinpreußensiedlung vor dem Rathaus in Duisburg, bei dem es um den langfristigen Erhalt der Häuser und die Beendigung der laufenden Privatisierung ging, fand am 12. Februar 1979 auf den Rathaustreppen ein mittleres Kulturspektakel statt. Frank Baier hatte Geburtstag und lud Sänger- und Musikerfreunde, seine Bekannten sowie Stahl- und Streikkollegen mit einem Flugblatt zur Solidarität mit den Hungerstreikenden auf. "Sie kamen von überall her, über 300 Menschen mit Klappstühlen, Teetassen und vor allem ihren Musikinstrumenten – Fasia und Kuro, Ernst Born aus Basel, Jazz-Musiker und die 'Teewurzellöwen' und viele mehr – und die Kokstonne glühte! Na ja, die Stahlstreiker hatten eine Kokstonne vom Werktor mitgebracht und schütteten schon am Mittag eine LKW-Ladung Koks mitten vor den Rathauseingang. Richard Limpert, der Arbeiterdichter aus Gelsenkirchen, brachte als Geschenk einen brandneuen Text mit. 'Hab ich gestern geschrieben. Jetzt seid mal ruhig da hinten, ich lese den jetzt mal vor!' Plötzlich fängt Fasia an zu summen. Fasia summt immer. 'Ey, merkße wat, Frank?' 'Nö!' 'Merkße nich, der Text paßt? Der paßt auf 'Ein Bomben ist gefallen'.' ' Jau, stimmt!' 'Komm, wir singen ma!' Das Lied war geboren. Noch am selben Abend wurde auf die Melodie des Ostermarschliedes von Hannes Stütz das neue Lied 'Rheinpreußen ruft Alarm' auf den Duisburger Rathaustreppen für die Hungerstreikenden mit allen gesungen." Der Hungerstreik wurde nach 18 Tagen und Nächten beendet. Die Siedlung war gerettet, der Abriß und die Privatisierung wurden gestoppt.

Kleiner Nachtrag: Das Lied gibt es auch in Malagasy, der madagassischen Sprache. Die Gruppe Rossy singt es mit einem Text über ein madagassisches Reisbauernkollektiv unweit von Madagaskars Hauptstadt Antananarivo. Mit Baier zusammen singen sie sogar zweisprachig, und seit seiner Tournee in Madagaskar (1983) heißt die Ukulele dort auf der Insel 'Frank Baier'.

Nicht nur im Stahlstreik waren Frank Baiers Lieder zu hören. Auch Kalkar, Friedensbewegung, Berufsverbote und Zensur waren Themen, zu denen er etwas zu sagen hatte. Wie beispielsweise im hier vertretenen Radiothek-Lied. Die Rundfunksendung 'Radiothek' gab es seit 1974: "Mit der konfliktorientierten, kritischen Jugendsendung 'Radiothek' schafft sich der WDR bleibende Erinnerungen bei der damaligen Jugendgeneration." ('50 Jahre WDR', WDR-Website). Die letzte Sendung lief im Dezember 1980. Über ihr unrühmliches Ende findet sich auf der WDR-Homepage keine Eintragung.

"Die 'Radiothek' im WDR Köln, das war unsere Sendung. Unsere? Ja, unsere, denn wir waren mitbeteiligt, wir konnten Einfluß nehmen auf die Themen der Sendungen, hier war ein 'freies Wort' möglich, also live gesendet, das ging direkt raus. Also, will sagen: Wir konnten reden, nicht nur zuhören. Wir kannten mittlerweile die Moderatoren und die Redakteure. Die kamen mit in die Jugendzentren, die Strafanstalten, redeten mit den Fürsorgezöglingen und Trebegängern, den Knackis und Arbeitslosen. In der 'Radiothek' wurden unsere Lieder gesendet oder bei Live-Veranstaltungen mitgeschnitten, z. B. in der Pappschachtel (Gelsenkirchen) oder dem Eschhaus (Duisburg). Wenn die geschlossen oder abgerissen werden sollten, dann war 'Tacheles' angesagt auf dem Sender, da kamen die Probleme direkt vom Mikrophon auf der Straße in den Äther. Plötzlich, ich fahre mit dem Auto abends von der Arbeit nach Hause und stehe gerade eingerammelt im Stau und höre 'Radiothek', und da sagen die an, daß der Wortbeitrag demnächst wegfällt, weil da eine 'Hörfunkstrukturreform' geplant ist. Gegenüber auf der anderen Straßenseite steckt'n Typ mit 'nem VW-Bulli auch fest und hat das Fenster runter, und wir hören denselben Sender. Der sagt: 'Ker, ey, hasse dat gehört? Die spinnen wohl. Oder? Die machen wa abber getz richtig Ärger, die Intendanten da. Die machen wa Feuer unterm Arsch, einfach unsere Sendung kaputt …, oder?' Ja, und schon war das Lied fertig. Der Typ im Auto war die Quelle. So einfach ist das. Die besten Lieder werden auf der Straße geboren, sag ich doch. Das Lied hab ich kurz danach auf dem ersten Protest in Köln vom LKW-Anhänger runter auf dem Opernplatz gesungen, und da war es raus aus dem Rohr."

Das Radiothek-Lied wurde aus der letzten Livesendung am 30.12.1980 in der Stadthalle Köln-Mülheim als unerwünscht gestrichen. Frank Baier durfte sein Lied nicht singen. "Ja, und dann habe ich es eben nicht gesungen, sondern die Gitarre wieder weggelegt und den Text erzählt und natürlich, warum ich das Lied jetzt hier in der Sendung beim 'Live-Mitschnitt' nicht singen darf. Die unten in der Halle fanden das natürlich bärenstark und haben gejohlt. Nur die WDR-Leute nicht. Vorher war ich ja schon in einem Film zensiert worden, da hatten sie Strophen von 'Auf der Schwarzen Liste' rausgeschnitten. Und jetzt stand ich auf dem Index und wurde fast zehn Jahre im WDR nicht mehr gesendet. So was macht man ja auch nicht … Ach ja, und der Uli Lux, der verantwortliche Redakteur, wurde vom WDR erstmal fristlos gefeuert, wegen dieser Sache und wegen Walter Moßmann und den 3 Tornados. Und die anderen sind mittlerweile Programmdirektoren oder so geworden, weil die sich geduckt haben, als die Brocken flogen."

www.frank-baier.de

21     Opa Weber          BAIER & WESTRUPP

Various - Liedermacher in Deutschland: Vol.2,
                                   Für wen wir singen (3-CD)

3-CD im luxuriösen 8-seitigen Digipac mit 172-seitigem Booklet, Spieldauer 4h.

Für wen wir singen, Vol. 2

Liedermacher in Deutschland

In der ersten Ausgabe der Sammlung 'Für wen wir singen' lag der Schwerpunkt auf den Anfängen der deutschen Liedermacherszene im Umfeld und in der Folge der Festivals auf der Burg Waldeck sowie auf der sich damals ebenfalls entwickelnden deutschsprachigen Folkszene. Die hier vorliegenden CDs vermitteln einen Eindruck von den 'bewegten' Zeiten, in denen Liedermacher politische und gesellschaftliche Konflikte in ihren Texten artikulierten und teilweise auch zum Sprachrohr der neuen Bewegungen wurden. Die CD 'Neue Töne in der DDR' dokumentiert, welche Rolle Lied und Chanson ab den 60er Jahren in der DDR spielten.

Ausführliche Informationen zur Geschichte des Begriffs 'Liedermacher' sowie eine Literaturliste zum Thema finden sich im Beiheft von 'Für wen wir singen, Vol. 1'.

Ich danke erneut allen Musikerinnen und Musikern, die auch für die zweite Ausgabe dieser umfangreichen Sammlung mit ihren ganz persönlichen Erinnerungen und Informationen dazu beigetragen haben, ihre Lieder im historischen Zusammenhang lebendig werden zu lassen (alle im Booklet verwendeten Zitate beziehen sich darauf). Mein besonderer Dank gilt dieses Mal Lutz Kirchenwitz, der für die Zusammenstellung und den Text der CD 'Neue Töne aus der DDR' sorgte. Michael Kleff

Der Journalist Michael Kleff lebt und arbeitet in Bonn und New York. Mit dem Thema 'Lied' ist er in mehrfacher Hinsicht seit vielen Jahren befaßt – als Moderator des 'Lieder-Ladens' im Deutschlandfunk, als Vorsitzender des Vereins deutschsprachige Musik, der die Liederbestenliste verantwortet, und auch als Chef vom Dienst des Musikmagazins 'Folker!'.

Der Kulturwissenschaftler Lutz Kirchenwitz war in der DDR-Liedszene aktiv. Er lebt in Berlin, ist Vorsitzender des Vereins Lied und soziale Bewegungen und Leiter des Festivals Musik und Politik.

Die Liederbestenliste – "Eine monatliche Hitparade der besonderen Art" ('melodie & rhythmus'). www.liederbestenliste.de

Eine Stimme für das Lied – 'Folker!' Das Magazin für Folk, Lied und Weltmusik www.folker.de

Heißer Herbst – Protest und linke Lieder

November 1966. Die SPD erklärte sich zur Koalition mit den Unionsparteien bereit. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik kam es in Bonn zu einer Großen Koalition. Das neue Kabinett sah angesichts der wirtschaftlichen Rezession jener Jahre in einer "expansiven und stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik das Gebot der Stunde" (Kurt Georg Kiesinger in seiner Regierungserklärung vom 13.12.1966). Unter dem Namen 'Konzertierte Aktion' setzten sich Vertreter der Arbeitgeber, der Gewerkschaften und der Bundesregierung an einen Tisch, um gemeinsam Strategien zur Verbesserung der Wirtschaft zu diskutieren. Während trotz wirtschaftlicher Probleme die Kriegs- und Trümmergeneration mehr und mehr zufrieden auf ihre materiellen Leistungen zurückblickte und die Früchte des Wiederaufbaus genoß, war eine neue Generation aufgewachsen. Sie hatte in der Schule gelernt, "die gesellschaftlichen Ursachen für Not und Elend, Armut und Hunger zu erkennen". Den Menschen wurden die Frauen und Männer des Widerstands im Dritten Reich als leuchtende Beispiele für Zivilcourage vor Augen geführt, und sie erfuhren im Staatsbürgerkundeunterricht, daß "politische Selbstbestimmung nicht in Gesellschaften verwirklicht werden kann, in denen entscheidende soziale und ökonomische Bereiche demokratischer Gestaltung entzogen werden."

Die Realität stand Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre jedoch in einem krassen Gegensatz zu diesem Idealbild einer freiheitlichen und menschenwürdigen Welt. Die 'Schutzmacht USA' führte in Vietnam einen nie erklärten Krieg. Im NATO-Mitgliedsstaat Griechenland setzte eine Gruppe von Obristen die Verfassung außer Kraft und errichtete eine Militärdiktatur. Die ausgewiesenen Rüstungsausgaben der Welt erreichten 1967 den schwindelerregenden Betrag von 165 Milliarden US-Dollar. Dieser Welt verweigerte eine zunehmende Zahl vor allem jugendlicher Menschen die Zustimmung. So entstanden die Studentenbewegung und die außerparlamentarische Opposition. Die Ermordung von Benno Ohnesorg bei der Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien in Berlin im Juni 1967 und die Verabschiedung der Notstandsgesetze im Mai des darauffolgenden Jahres vergrößerten die Kluft zwischen dem gesellschaftlichen Establishment und den Gegnern der Großen Koalition. Als im September 1969 FDP und SPD die Regierungsverantwortung übernahmen, versprach Bundeskanzler Willy Brandt, mehr Demokratie zu wagen. Dies gab so manchem die Hoffnung auf Reformbereitschaft und Reformfähigkeit zurück. Doch der Hoffnungsschimmer verging schnell. Berufsverbote, Arbeitslosigkeit, Vietnamkrieg, Atomrüstung und Atomkraftwerke wurden zu den bestimmenden Themen der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Damals formierten sich neue große Bewegungen wie die Friedensbewegung und die Anti-Atom-Bewegung sowie unzählige Bürgerinitiativen auf regionaler Ebene.

Liedermacher in Deutschland - CD-Album Serie von Bear Family Records
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19 Radiothek-Lied BAIER, FRANK                 Vol 2
20 Rheinpreußen ruft Alarm BAIER, FRANK    
11 Dat muss doch auch wat Späßken bringen BAIER & WESTRUPP       Vol 3

11 Dat muss doch auch wat Späßken bringen      BAIER & WESTRUPP  
 

Baier & Westrupp


"Der Ruhrgebiets-Barde und Pott-Poet."
                                                                         (gängige Bezeichnung für Frank Baier in der Presse)

Seit mehr als 30 Jahren ist Frank Baier eine Stimme des Reviers – "laut und lästig", wie man ihm nachsagt. Immer zur Stelle, wenn es darum geht, auf der Straße, auf der Scholle noch einen Song nachzulegen: an der Kokstonne vorm Streiktor oder vorm Rathaus, in der Zechenkolonie oder bei den Demos im Ruhrgebiet. Wenn er zusammen mit 'Waller' Westrupp hintergründig singt "Dat muß doch auch wat Späßken bringen", heißt das im Klartext: "Da machen wir Randale." Und diese Sprache verstanden auch die Leute im Revier. Die Menschen dort waren in den 70er Jahren die "Fußabtreter der Nation". Die Zechen machten reihenweise dicht, die Arbeitslosigkeit war größer als in anderen Regionen, und der Stahlstreik 1978/79 ging für "die Bären von der Hütte voll in die Hose und nach hinten. Und da sacht mir dann der Kumpel vor’m Konzert: 'Man, Junge, getz sing auch ma wat nettet, hart isset eh schon allet!' Und dann war da schon die erste Zeile für den Song: 'Boh ey, dat muss doch auch wat Späßken bringen, willze dich nur grämen …'."

In jener Zeit begann Frank Baier, Lieder zu 'verpotten', also Lieder im Ruhrpottslang zu schreiben, "…so wie ich mit den anderen Blagen auf der Straße groß geworden bin, zwischen Kläranlagen, Müllhalden, im Schatten der Zeche 'Rosenblumendelle', wo morgens auf dem Balkon auf der Milch die dicken Rußflocken auffm Rahm schwammen, und die Mutter uns mittags ’n Dubbel – ’ne doppelte Brot-Kniffte mit Rübenkraut drauf – runtergeschmissen hat, damit ’se uns vonne Jacke hatte." Eine Textzeile des Dortmunder Arbeiterdichters Josef Reding – "Vonne Maloche, direkt nach Haus’, nee, so siehze aus …" – war für Baier ganz früh "der Aufheller – ein Text über den Kumpel, der von untertage ausse Zeche raus erst mal an den Tresen muß – für ’n 'Gedeck’ [Bier und Korn; Anm. d. Verf.] – und dabei schon überlegt, wenn er gleich nach Hause kommt und mit der Mutter auffm Sofa …"

Die Dialektlieder treffen die Seele der Menschen und sind ziemlich wichtig für ihr ramponiertes regionales Selbstbewußtsein. 'Verpottet' kommen die Geschichten wärmer rüber und treffen den Kern – bei den Menschen in der Kolonie oder am Werktor. "Noch heute – nach 30 Jahren – kommt dieses Lied bei Livekonzerten mit den Rappern von SOG, den Sons of Gastarbeita – also mit Rap als Schubkarre –, so aktuell über die Rampe, als wäre der Song gestern geschrieben worden. Und die Leute strahlen, und die Feuerzeuge gehen an."



Dat muß doch auch wat Spässken bringen
wurde 1976 mit der Skiffle & Jug Band Walter h.c. Meier Pumpe gespielt (Walter = Walter Westrupp; h. = Herribert 'Heri' Horstig, Gitarre; c. = Curny am Baß; Meier = Wolfgang Klasmeier am Schlagzeug; und Pumpe ist der alte Skiffle-Spitzname von Frank Baier), mit der Baier und Westrupp ebenfalls unterwegs waren, um mit ihrem Skiffle die Leute im Ruhrgebiet aufzumischen ("… und dat Blut inne Pumpe fängt am Kochen", aus: Regen aus Kohlenstaub).

Walter Westrupp (Jahrgang 1946) hat sich u. a. mit Bernd Witthüser (Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre) als Folkrockduo nicht nur einen Namen gemacht, sondern die beiden sind zu einer Legende geworden.

www.frank-baier.de
www.westrupp.de


Auszug aus
Various - Liedermacher in Deutschland
Vol.3, Für wen wir singen (3-CD)
/various-liedermacher-in-deutschland-vol.3-fuer-wen-wir-singen-3-cd.html

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11 Dat muss doch auch wat Späßken bringen BAIER & WESTRUPP  
 

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«Dat muss doch auch wat Spässken bringen»

«Willze dich nur grämen?
Datte aussem Ruhrpott biz, da brauchz dich nich für schämen.
Nimm die Knaller, wie se kommen,  doch nimmt man dich aufn Arm,
zeig auch ma wat Sache is, bizze alle wat von ham.»

 (Zitat aus dem Lied)


Der alte Pressetext (DuG, München)   - später " Liederbuch Ruhr"
"Die einhundert bekanntesten und beliebtesten Lieder aus dem Ruhrgebiet, mit ihren Noten und Texten, vom Mittelalter bis zur Jetztzeit, dazu ein alphabetisch geordneter Lexikonteil, in dem amüsante, wissenswerte und zu Herzen gehende Geschichten aller Art vorkommen – der Mythos Ruhr lebt auf in diesem Buch, das das Zeug zum Kultbuch hat.."
   (...jetzt schon - obwohl et noch nich anne Sonne is.)

Aber das Buch heißt jetzt neu : "Glück auf - Liederbuch Ruhr - Lieder & Lexikon"  und kommt in Essen raus - es is also jetz in der Heimat im Ruhrpott angekommen  -
und wird bei Klartext-Verlag veröffentlicht.


Hier diese web : "der Pott singt.de" mit dem herrlichen Kumpel-Foto wäre damals fast der Titel des Buches geworden.
Ich werde jetzt hier auf der web nur Material sammeln und dann später anne Sonne tun, welches nicht in dem Liederbuch Ruhr "Glückauf" zu finden ist.


Und hier der neue Pressetext von Klartext:

"Glück Auf, Glück Auf ! Der Steiger kommt..." Dieses Lied kennt wahrscheinlich jeder Mensch im Ruhrgebiet. Aber darüber hinaus sieht es kohlenschwarz aus. Dabei blickt das Ruhrgebiet auf eine vielfältige Sammlung verschiedenster Lieder zurück. Dieses Stück Musik-Kulturgut soll nun wieder erleb- und singbar gemacht werden. Seit Ende 2008 begannen die beiden Herausgeber die einhundert bekanntesten und beliebtesten Lieder aus dem Ruhrgebiet, mit Noten und Texten zusammenzutragen. Die Liederauswahlerstreckt sich vom Mittelalter bis zur Jetztzeit und die wichtigsten Kenner der jeweiligen Lieder konnten als Autoren gewonnen werden. Ein alphabetisch geordneter Lexikonteil, in dem amüsante, wissenswerte und zu Herzen gehende Geschichten aller Art vorkommen, runden das Liederbuch ab und bewahren das Liedgut Ruhr vor dem Vergessen."


Die Herausgeber:
»Mr. Ruhrgebiet«, Frank  Baier, genießt im Revier einen Ruf als musikalisches Urgestein.
Jochen Wiegandt, Musiker (Mitbegründer von »Liederjan«) und Moderator, ist Herausgeber der »Liedertafelreihe«.

Hg. von Frank Baier und Jochen Wiegandt
"Glück auf - Liederbuch Ruhr - Lieder & Lexikon"
Das Ruhrpott-Liederbuch - Festeinband
ca. 480 Seiten, 60 Abbildungen,
Klartext-Verlag,  Essen
ISBN 978-3-8375-0645-7        ca. 24,95 €
                                                                                             www.klartext-verlag.de