Presse-Seite

WAZ -27. Juni 2018 
                        Baier -  Lieder auf Bestenliste

 WAZ Juni18

 

  Frank Baier:
                   Erfolg mit den „Gesängen des Ruhrgebiets"
                                           

Rh-Post - 22. Juli 2016 -

VON ECKART PRESSLER

Es ist schon ein besonderer Coup, der dem Duisburger Liedermacher Frank Baier gelungen ist:
seit Mona­ten schon steht seine LP „Gesänge des Ruhrgebiets 1870-1980" auf der TOP-20-Liste der deutschsprachi­gen Liedermacher; der Titel„ 14 Pro­zent Dividende" belegte ab März 2016 den zweiten Platz, nun den dritten. Das Lied beschreibt dasUn­glück auf Zeche Anna in Alsdorf im Jahr 1930, bei dem 270 Bergleute ihr Leben lassen mussten. Trotz all dem Leid, die Dividende war bis zum Jahr 1942 garantiert. Erstaunlich, wie nah und aktuell dieses 75 Jahre alte Lied aus der Arbeitswelt ist.

Ein Jahrhundert Reviergeschichte
in  Liedern

WAZ / NRZ                                      Freitag, 2. Dezember 2016

Michael Zachcial

Duisburg.
Bis an die Decke vollge­stopft mit LPs, Musik- und Video-Kassetten, mit Aktenordnern, CDs, Fotos, Plakaten, Flugblättern und Briefen ist das Zechenhäuschen in der Homberger Rheinpreußen-Siedlung. Seit den 80er-Jahren wohnt und arbeitet Frank Baier hier. Seine einzigartige Ruhrgebiets­liedgut-Sammlung enthält unzähli­ge „Kulturdokumente ersten Ran­ges", sagt Michael Fischer, Direktor des Zentrums für populäre Kunst und Musik (ZPKM) an der Albert­Ludwigs-Universität Freiburg, wie das 1914 gegründete deutsche Volksliedarchiv mittlerweile heißt. Dorthin wandert Baiers Archiv.

Die Sammlung des Duisburger Liedermachers Frank Baier geht ins Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg

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 Soundtrack zur Lebensreise eines Liedermachers
    " Wat`n Theater, man" :                                                                            17.febr. 2018
 Ruhrpottbarde Frank Baier, gerade 75 geworden, legt ein  neues Album vor

WAZ 7.febr.2018 J.Dirksen Baier CD

 

Duisburg.   „Wat ‘n Theater, man“, das neue Album des Ruhrpottbarden Frank Baier, gerade 75 geworden, ist der Soundtrack zur Lebensreise eines Liedermachers.  Regale, vollgestopft mit Büchern und Platten, wuchern bis in die Küche hinein: Frank Baier wohnt im Ziegel-Reihenhaus der Zechenkolonie Rheinpreußen in Duisburg-Homberg, das gar nicht mehr stünde, wenn nicht eine Bürgerinitiative mit Baier mittenmang in den 70er-Jahren mit Demos und Hungerstreiks den Abriss im Auftrag einer Bank verhindert hätte.   Frank Baier, Liedermacher und einer der letzten Ruhrpottbarden, ist gerade 75 geworden – und hat noch einmal ein Album mit 13 Songs zusammengestellt: „Wat ‘n Theater, man“. Der älteste, von 1976, ist einer von drei Skiffle-Titeln. Skiffle? „Son Dingen zwischen Schnulze und Pop“, behauptet der Song „Regen aus Kohlenstaub“, und auch im Revier ein Geburtshelfer von Beat und Rock. 
 
Das Album bietet Begleitmusik zur Baierschen Lebensreise, was in realistischer Widersprüchlichkeit vom pessimistischen Blick auf die Gegenwart (im Titelsong) bis zur utopie-gläubigen Rio Reiser-Hymne „Schritt für Schritt“ reicht. Die Konzertaufzeichnung von Baiers Duett mit dem madegassischen Sänger Tselonina in dessen Heimat ist technisch unzulänglich, aber ein Dokument: „Tanze das Leben“ wiederum, das Baier vor drei Jahren zur Quetsche“ anstimmte, mag mustergültig für Baiers Manier stehen, aus begrenzten sängerischen Fähigkeiten ein Stilmittel von erfrischender Ruppigkeit zu machen. Es singt, wie oft auf diesem Album der fröhliche, freche, freie Baier, der auch seine Autobiografie nicht von ungefähr „Tanze das Leben“ nennen will.  JD

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Frank Baier - eine Rarität ....
“Warum der Ruhrgebietsbarde eigentlich zu den vom Aussterben bedrohten Sänger-Arten gehört, ist auch eine Frage, die viel sagt über Zeiten, in denen wir leben…
   
(Jens Dirksen)  - WDR 28.10. 2015

" Gesänge des Ruhrgebiets" - Frank Baier geht auf Tournee

WAZ – Westdeutsche Allgemeine Zeitung - 28.10.2015

"Gesänge des Ruhrgebiets" - Frank Baier geht auf Tournee

http://www.derwesten.de/kultur/das-klingende-ruhr-liederbuch-id11227877.html#plx1366037812

Tackert um sein Leben:
Ruhrgebietsbarde Frank Baier mit den Covers für seine neue Vinyl-LP.             Foto: Michael Dahlke

Jens Dirksen

Duisburg.

Revierbarde Frank Baier presst drei Jahre nach seinem Liederbuch „Gesänge des

Ruhrgebiets 1870-1980“ auf Vinyl – und geht jetzt damit auf Tournee.

Warum der Ruhrgebietsbarde eigentlich zu den vom Aussterben bedrohten Sänger-Arten gehört, ist auch so eine Frage, die viel sagt über die Zeiten, in denen wir leben. Frank Baier jedenfalls ist eine dieser Raritäten
und gibt auch mit 72 keine Ruhe. Baier wohnt in einem verwunschenen Häuschen
Ukulele, die jetzt auf Madagaskar „Frankbaier“ heißt, weil er auf einem seiner zahllosen Festival-Gastspiele der führenden madagassischen Folk-Band das Ukulelespielen beibrachte. Und hier tackert er auch die Hüllen für seine neue Langspielplatte zusammen. Tackert? „Ja, wie damals bei Ton Steine Scherben mit dem ,Warum geht es mir so dreckig’ - Album, ich weiß noch, wie der Rio und die anderen da saßen!“ Und eine Langspielplatte? „Ja, Vinyl klingt besser als eine CD, passt auch besser zu meiner Musik!“, sagt Baier. Also gibt es eine A- und eine B-Seite und zwanzig „Gesänge des Ruhrgebiets 1870-1980“, so der Titel der Platte. Nicht auszuschließen, dass es auch mal eine CD-Fassung gibt, aber erst mal sind jetzt die ersten 500 Vinyl-Exemplare fertig. Sammlerstück-Kandidaten.

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10. Juni 2006 - NRZ

Kritik preist März 1920.
Die aufwändige CD-Produktion ..Lieder der Märzrevolution 1920" (lSBN•3•8101100-7) des Ruhrbarden Frank Baier und der Grenzgänger" ist als „künstle­risch herausragende Neuveröffentlichung" mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden. (NRZ)

 

 

 

10. Juni 2006 - NRZ

Kritik preist März 1920.
Die aufwändige CD-Produktion ..Lieder der Märzrevolution 1920" (lSBN•3•8101100-7) des Ruhrbarden Frank Baier und der Grenzgänger" ist als „künstle­risch herausragende Neuveröffentlichung" mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden. (NRZ)

 

Alles außer dem Steigerlied

Bettina Schack

                                                                   NRZ . am 18.01.2016 um 05:39 Uhr

Dinslaken.. Zum Schluss hatte Frank Baier seine Mission erfüllt. Ob alte Jazzer-Freunde, Interessenten am politischen Lied oder alte Lohberger, sie alle sangen am Ende des Konzertes im Ledigenheim „Auf einem Baum ein Kuckuck“ mit. Nicht als naives Kinderlied, nicht als geselliger Gute-Laune-Scherz nach einem fröhlichen Abend, sondern sich selbst die Bedeutung bewusst machend, die einst Rio Reiser Frank Baier erklärt hat:  "Der Kuckuck ist das Symbol der Freiheit.“ Das Lied vom Vogel, der zwar vom Jäger erschossen wird, aber zur Freude der Menschen doch wiederkehrt, wurde in der März-Revolution 1848 und in den unruhigen Jahren 1919/20 gesungen. Und in diesem Kontext stand es auch im Konzert am Freitag auf dem Programm. Frank Baier präsentierte seine LP „Gesänge des Ruhrgebiets 1870 – 1980“.

 

 

Dinslaken..  Zum Schluss hatte Frank Baier seine Mission erfüllt. Ob alte Jazzer-Freunde, Interessenten am politischen Lied oder alte Lohberger, sie alle sangen am Ende des Konzertes im Ledigenheim „Auf einem Baum ein Kuckuck“ mit. Nicht als naives Kinderlied, nicht als geselliger Gute-Laune-Scherz nach einem fröhlichen Abend, sondern sich selbst die Bedeutung bewusst machend, die einst Rio Reiser Frank Baier erklärt hat: „Der Kuckuck ist das Symbol der Freiheit.“ Das Lied vom Vogel, der zwar vom Jäger erschossen wird, aber zur Freude der Menschen doch wiederkehrt, wurde in der März-Revolution 1848 und in den unruhigen Jahren 1919/20 gesungen. Und in diesem Kontext stand es auch im Konzert am Freitag auf dem Programm. Frank Baier präsentierte seine LP „Gesänge des Ruhrgebiets 1870 – 1980“.

Es sind Volkslieder im echten Sinne des Wortes. Abbildungen des Lebens, Geschichte und Soziologie eines Standes gegossen in Verse, die zu Melodien gesungen wurden, die eben den Menschen bekannt und vertraut waren, um die es in den Neudichtungen ging. „Bergmanns Schunkelwalzer“ habe sich zu seinem Favoriten entwickelt, erklärt Frank Baier. Ein Kumpel hat die Melodie von „Keinen Tropfen im Becher mehr“ mit einem eigenen Text über die Missgeschicke unterlegt, die einem Bergmann im Berufsalltag widerfahren können. Die Moral lautet „bleibet friedlich“, „es folgt ein schöner Mai stets dem kalten Winter“.

Hoffnung auf bessere Zeiten, die längst nicht jeder Bergmann des Ruhrgebiets erleben durfte. Ob im Streikjahr 1889 oder nach dem schweren Grubenunglück 1925 bei Dortmund mit 136 Toten: Die Lieder ziehen Bilanz eines ausbeuterischen Wirtschaftssystem aus dem Blickwinkel derer, die in dieser Pyramide ganz unten stehen. Löhne unterhalb des Einkommenminimums, das für ein einfaches Leben nötig wäre, Jahrzehnte der harten Arbeit ohne Absicherung. Verlust selbst noch dieser Existenzgrundlage, sollte es für andere, sprich die Unternehmer, wirtschaftlicher sein. Dutzendfacher Feuertod am Arbeitsplatz, weil nicht in die Arbeitssicherheit investiert wird, derweil steigen die Rendite. Frank Baier singt diese Lieder, regt an, über die Gegenwart nachzudenken. Erwähnt Ackermann, aber nicht die Textilindustrie in Bangladesh. Vielleicht ist die Parallele zu naheliegend.

Texte des ehemaligen Bergarbeiters Heinrich Kämpchen, der nach dem großen Streik von 1889 keine Anstellung mehr fand und sich dem Journalismus zuwandte, die erschütternde Ballade vom alten Mus, der 1920 von Freikorps-Soldaten grausam ermordet wurde. In der letzten Strophe lässt Baier seinen „pneumatischen Synthesizer“, das Knopfakkordeon schweigen, singt mit dunkler, rauer Stimme a capella in das Halbdunkel des Ledigenheims. Es ist der Moment, der am tiefsten unter die Haut geht.

Frank Baiers eigene Geschichte: Engagement in DU-Bruckhausen gegen Stadt und August-Thyssen-Hütte, Hungerstreik vor dem Rathaus gegen den Verkauf der Häuser in der Bergarbeitersiedlung Rhein-preußen in Homberg, wo er bis heute lebt. Erinnerungen an Fasia Jansen und ihre Lieder, an den Rap mit Sons of Gastarbeita. Das Ruhrgebiet im Zeitraffer, getaktet in Musik. Ein wenig Jazz schwingt in der Art, wie Baier rhythmisiert, immer mit, die Nähe zum Publikum macht er offenkundig, in dem er seine Instrumente und Noten im Saal zwischen den Stühlen und nicht auf der Bühne aufgebaut hat.

Baier blickt ins Publikum und dann in Gedanken durch die Saaltür hinaus über die Hünxer Straße, wo einst die Kaue stand, in der 1919 die „Internationale“ gesungen wurde. Ein Lied singt er nicht: „Das Steigerlied“. Zu anbiedernd gegenüber den Chefs, sei es. Stattdessen hat er die Version dabei, die auch Ernst Busch sang: „Glück auf, der Ruhrkumpel spricht“.

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 Kattong -  Knast

WAZ - Essen - .27. aug 1971


POLITISCH BEVORMUNDET DURCH FILMSCHNITTE
an einem Sänger-Porträt für das WDR-Fernsehen
fühlt sich der Duisburger Liedermacher Frank Baier.          .           waz-Archivbild

Filmschnitte am Tag vor der-„,Musikwelten"'-Sendung

Liedermacher fühlt sich vom

WDR politisch bevormundet

Duisburger trug Lieder im Funk schon ungekürzt vor

Von HEINZ-ARNDT BRÜGGEMANN                                                                                        waz KÖLN

„Ich protestiere hiermit aufs schärfste gegen diese politische Bevormundung." Das ist der Schlußsatz eines Briefes, den der Duisburger Liedermacher und Autor Frank Baier am vorigen Mittwoch an WDR-Programmdirektor Hans-Werner Hübner richtete. Baier fühlt sich von Höfer­Nachfolger Hübner „zensiert". Als samstagsabends im WDR-Fernsehen ein Porträt des Liederma­chers in der Reihe „Muslkwelten" erschien, waren zwei der Baier-Vorträge beschnitten. „Damit wurden bewußt Konsequenzen meiner Aussage zurückgehalten", beschwerte sich Baier In Köln  

WAZ - 27.Dez 1979 - aus dem Westen

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WAZ - 21.Aug 1971 - aus dem Westen

Kattong - Knast-Konzerte
Kritik-Sänger in Gefängnissen werden Frau Justitia unbequem

 WAZ v 21aug 1971 Justitia

 Kattong : Absagen für beliebte Pop-gruppe -                    WAZ - 21.aug 1971

WAZ aug1971JVA Essen

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                                                    metall zeitung 12 | 2014                                        

Tanze das Leben -

                     ZU BESUCH BEI FRANK BAIER

Er ist ein Urgestein der Musikszene im Ruhrgebiet: der Sänger und Liedermacher Frank Baier. metall-zeitung besuchte den 71-Jährigen zu Hause, in der Duisburger Zechensiedlung Rheinpreußen.
Tanze

       das Leben

 Beim Sänger und Liedermacher Frank Baier steht die Haustür meist offen.

Neben seiner Haustür hängt anstelle einer Klingel eine Blockflöte.
Wer Einlass begehrt, kann darauf spielen. »Nötig ist das nicht, die Tür steht meist offen«, sagt der Hausherr. Frank Baier lebt seit 1987 in der Duisburger Zechensiedlung Rheinpreußen. Jahrelang hat er singend mitgeholfen, diese Siedlung vor dem völligen Abriss zu bewahren.
Überall Instrumente.
Von der Haustür aus geht ̓s rechts durch Diele und Flur, der Anbau – jetzt Küche und Badezimmer – war früher Waschküche und Stall.
Geradeaus geht’s ins Wohnzimmer mit Tisch, Eckbank und Stühlen. Links daneben ist sein Arbeitszimmer: Eine Regalwandgeht bis unter die Decke und steht voller Bücher, Aktenordner und Stehsammler mit Liedern und Texten. Unter dem Hochbettsteht sein Schreibtisch mit Computer. Überall stapeln sich Kassetten und CDs – sein Tonarchiv.
Auf den schmalen Treppenstufen liegen Bücher, in dem Hängeregal an der Giebelwand darüber stehen auch welche, an den Wänden hängen Bilder, Plakate und Fotos. Im ersten Stock: sein Archivraum und das Schlafzimmer.
Überall in dem 56 Quadratmeter kleinen Häuschen liegen, stehen und hängen Instrumente:
zwölf Ukulelen, sechs Gitarren und fünf »Quetschen«(Akkordeons). Außerdem mehrere Bandoneons, türkische Lauten (Saz), eine afrikanische Lyra - ein Harmonium, Mundharmonikas und auch zwei selbst gebaute Harfen.
Baiers musikalische Wurzeln reichen bis zum Skiffle, der Folk-Musik der frühen 1960er-Jahre. Er nahm an den Festivals auf Burg Waldeck im Hunsrück teil, lernte da Walter Mossmann und Hannes Wader kennen. Seit Jahrzehnten unterstützt Baier die Gewerkschaften und Bürgerinitiativen im Ruhrgebiet musikalisch: Friedensbewegte, Atomkraftgegner und Hausbesetzer, die streikenden Stahlarbeiter1978/79 und die Bewohner der Zechenkolonie Rheinpreußen. Wenn Menschen aufbegehren, Widerstand leisten gegen Ungerechtigkeiten – er ist dabei.
Lieder, die Wirkung zeigen.
Das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Musikerleben. »Gebraucht zu werden mit meinen Liedern und mit großartigen Menschen kämpfen!« Und: »Klar, wat Späßken bringen muss dat auch.« Baier ist glücklich, wenn seine Lieder Wirkung zeigen, die Leute zuhören, sich freuen wie Bolle und sagen: »Jau – dat isset!« »Kommerziell«, sagt er, »hab ̓ ich nix auffe Reihe gekriegt.« Er weiß nicht, wie viele Bücher, Platten, Kassetten und CDs er alleine oder mit anderen, produziert hat.
Aufgewachsen in Essen zählt Baier zum kruppschen Adel: der Opa bei Krupp, der Vater bei Krupp – und Frank auch, in der Gießerei als Werkstoffprüfer. Als Jugendlicher ist er ständig unterwegs:
»Mit 19 hatte ich Europa durch, per Anhalter – von Sardinien bis zum Polarkreis.«

Später baut Frank Baier auf dem zweiten Bildungswegden »Ingenieur der Verfahrens-technik«, zuletzt arbeitet er bei der Telekom.
Beruf und Berufung.
Sein Doppelleben als Ingenieur mit Familie und als Musiker kostet Kraft. Mehr, als er hat. Baier bricht zusammen, wird 1997 »kaputtgeschrieben« und »in die Rente geschossen«.
Er braucht Jahre, um sich »neu zu formatieren«.   Rückblickend ist er froh darüber.
Beruf und Berufung sind jetzt eins.

Nach dem Zusammenbruch schreibt er das Lied »Tanze dasLeben« – sein Aufruf für ein selbstbestimmtes Leben. Statt zurück schaut Baier aber »viellieber nach vorn«:
2012 gibt er im Essener Klartext-Verlag das
»Liederbuch Ruhr – Glück auf« heraus, von dem schon fast die gesamte Auflage von rund 4000 Exemplaren verkauft ist.

Das Buch ist ein Goldschatz: Baier und Mitherausgeber Jochen Wiegandt, ein Hamburger Sänger, haben den Liederschatz des Ruhrgebiets gehoben, in jahrelanger Arbeit. Die Textauswahl erstreckt sich vom Mittelalter bis in unsere Tage, es sind kämpferische, scherzhafte und todtraurige Lieder. Lieder, die nicht vergessen werden dürfen – und jetzt neuentdeckt werden können. Sie erzählen Geschichten, »die uns kein Fernseher liefern kann«, sagt Baier. Jetzt plant der Musiker eine Schallplatte:
»Gesänge des Ruhr-gebiets 1870–1980«.
Damit soll aber nicht Schluss sein: »Da kommt noch einiges, ich spür das« .

Norbert Hüsson für Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Termine, Liedertexte und Plakate gibt es hier:
                                                                    www.frank-baier.de
:

  foto : Thomas Range

metallzeitung 12 | 2014|23

,22 |  metallzeitung 12 | 2014  
                                - Tanze das Leben,
F. Baier  - 

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preis der deutschen schallplatten-kritik  - NRZ - 10.juni 2006

 

 Deutschlandfunk  -   Sendung

                                     Liedgut aus dem Ruhrpott

Zwei Musiker veröffentlichen ein Buch über die Musikkultur im Revier

Die typische Mentalität des Ruhrgebiets drückt sich auch in der vielfältigen Musikkultur der Region aus. Der Hamburger Jochen Wiegandt und der Duisburger Frank Baier haben diese in dem Buch „Glück auf! Liederbuch Ruhr“ festgehalten.

Von Michael Kuhlmann

 

Das Buch ist angereichert mit Bildern, die auch die Kapellen der Arbeiter zeigen. (AP)

Mehr bei deutschlandradio.de

 

(Musik: MEK Bochum, „Smogalarm")

„Smogalarm“ mit diesem Lied protestierte die Mobile Einsatz-Kapelle Bochum gegen die Umweltbelastungen an der Ruhr. 1979 war das. Die Langspielplatte mit dieser Musik, sie dürfte kaum mehr aufzutreiben sein. Den Text und die Noten aber gibt es nun wieder: im neuen Liederbuch Ruhr. Der Kopf des Projekts, Frank Baier.

„Ich wollte gucken, ob ich jetzt sowohl das Alte wie auch das Neue so mache, dass die Leute endlich wieder singen können!“

(Musik: Bergmannschor Homberg, „Glückauf, der Steiger kommt")

Das Alte, das sind zum Beispiel Lieder wie dieses hier, das Baier schon 1980 zwischen zwei Buchdeckel brachte. Das Neue, das ist Musik aus den 30 Jahren seither, bis hin zum Rap der Gegenwart. Und auch Titel, die mal in der Hitparade standen.

(Musik: Geier Sturzflug, „Bruttosozialprodukt")

Auf den ersten 230 Seiten enthält das neue Buch über 100 Lieder. Der zweite Teil des Buches, noch mal so dick, ist ein Lexikon. Das erhellt Hintergründe: über wichtige Liederdichter, über historische Ereignisse. Angereichert ist das Buch mit Fotos: Sie zeigen Arbeiterkapellen, aber auch die Essener Songtage 1968 mit dem Gastspiel eines gewissen Frank Zappa. Die Musikkultur an der Ruhr, sie basierte oftmals auf bekannter Volksmusik, zu der irgendjemand dann mal einen neuen, ruhrpottspezifischen Text schrieb. Zum Beispiel:

„'Wo man Kohle fördert‘, das ist auf die ‚Nordseewellen‘, ganz genau: Wo man Kohle fördert und den Hammer schwingt, wo man bei der Arbeit frohe Lieder singt, wo man mit Vergnügen schafft tagaus, tagein, da ist meine Heimat, es kann nur Essen sein.“

Manche Lieder waren so verbreitet, dass es zu ihnen mehrere stadtspezifische Texte gab aus Dortmund, Witten oder Mülheim. Ein Lied über Hamm freilich kam 1968 von dem Westberliner Reinhard Mey.

(Musik: Reinhard Mey, „Hauptbahnhof Hamm")

Ortsfremd wie Reinhard Mey war auch der Co-Herausgeber des Buches Jochen Wiegand. Baier nahm bei dem Hamburger eine andere Mentalität wahr.

„Die nehmen dat lockerer! Hier im Ruhrgebiet ist diese Lockerheit nicht da! Wenn hier die dicken Streiks sind und so'n Stahlstreik 126 Tage läuft, im harten Winter, drüben in Rheinhausen, da und da, dann entstehen auch andere Lieder. Unser Duktus ist ein anderer. Wir reden nicht mehr drumrum, wir packen den Stier bei'n Hörnern. Wir gehen auf das Thema drauf.“

Frank Baier konnte bei der Arbeit am Buch seine Verbindungen nutzen: viele Bekanntschaften von Moers im Westen bis Hamm im Osten.

„Reden, reden, reden! Du hast dann in Bochum oder in Dortmund irgendwelche Leute! Die kennen dann also... Ich war ja ständig unterwegs... nur immer geguckt, geguckt: Wer konnte noch gute Geschichten erzählen? Das Lexikon sind die Geschichten, die mir erzählt worden sind.“

Viele Lieder sind natürlich nirgends aufgeschrieben. Die ließ Baier sich vorsingen. Zum Beispiel vom Sänger eines Bergmannschores aus Essen.

„Und dann auf einmal, auf der Toilette, sagt der: ‚Kennst Du dat Kruppianerlied?‘ – ‚Nä!‘ – Während der pinkelt, hat der mir inne Toilette mit Hall von Kacheln und allem Drum und Dran, hat der mir dat Kruppianerlied vorgesungen! Hömma. Genial!“

Auch weithin bekannte Musik ist im Buch vertreten. Diese Hymne auf den klassischen Ruhrpottimbiss stammt übrigens gar nicht von Herbert Grönemeyer – sondern von Jürgen Triebel und Diether Krebs.

(Musik: Diether Krebs, „Currywurst")

Die Currywurst hat es heute an den Imbissständen schwer gegen Döner und Falafel. Auch das gemeinsame Liedersingen ist an der Ruhr nicht mehr so präsent. Frank Baier ist aber optimistisch. Er verweist auf einige Leuchtturmprojekte.

„Ach! Hier in Duisburg sind mittlerweile Anja Lerch, Jupp Götz. Die machen Mundorgelabende! Die Anja drückt die Tasten, spielt irgendein Lied, die ganzen Leute kriegen den Text an die Leinwand geworfen, lesen den Text und singen sofort mit, weil das eine Melodie ist, die alle kennen. Dat Ding dauert zwei, drei Stunden, und die hören nicht auf zu singen, und beim nächsten Mal is‘ dat wieder prattevoll. Diese Tendenz ist auf einmal da!“

Hinzu kommt die neue Musik der Einwandererszene. Im Buch vertreten sind etwa die Sons of Gastarbeita.

(Musik: Sons of Gastarbeita)

Bei der Auswahl für das Buch mussten Baier und seine Mitstreiter ein gutes Drittel ihres Materialbergs außen vor lassen. Für diesen Rest hat Baier aber schon eine Idee.

„Jetzt fange ich an und mache eine Webseite – die heißt ‚Der Pott singt‘ – und tue alles Material, was jetzt nicht in das Buch reingekommen ist, tu ich jetzt in diese Webseite rein, und die Leute können reingehen und gucken und können sich das Material rausziehen.“

„Glück auf! Liederbuch Ruhr. Lieder und Lexikon“
herausgegeben von Frank Baier und Jochen Wiegand, Klartext-Verlag, 465 Seiten, 24,95 Euro